RENO Berlin-Brandenburg plädiert für wertschätzenden Umgang mit Bewerberinnen und Bewerbern

Jetzt lässt es sich wirklich nicht mehr leugnen: Der Sommer neigt sich dem Ende zu und der Herbst entfaltet sich. In unserem Job verbringt man ja doch einen überwiegenden Teil seines Tages sitzend. Vielleicht lädt der ein oder andere frühherbstliche Sonnenstrahl doch noch zu einem Spaziergang ein. Auch eine Mittagspause lässt sich so gesund verbringen. Und nach einer Runde an der frischen Luft dürfte auch der Kopf für die kommenden Stunden im Büro wieder frei sein. Vielleicht nehmt ihr zu einem Spaziergang auch eure neue Auszubildende oder euren neuen Auszubildenden mit? Das schafft in angenehmer und entspannter Atmosphäre die Möglichkeit herauszufinden, ob sich alle wohlfühlen oder ob irgendwo noch Unsicherheiten bestehen.

(Bild Ki-generiert)

Manche unserer neuen Auszubildenden haben vermutlich spannende Geschichten erlebt, ehe sie den Weg in unsere Kanzleien gefunden haben. Es soll Kanzleien geben, die ihr Angebot zum Abschluss eines Ausbildungsverhältnisses mit sofortiger Wirkung zurücknehmen. Und das deshalb, weil die Bewerberin höflich angefragt hat, ob man sich bei der Ausbildungsvergütung noch etwas näher an der Empfehlung der Rechtsanwaltskammer orientieren könnte. Andere Kanzleien erwarten eine Zusage, dass die frisch Ausgebildete auf unbestimmte Zeit in der Kanzlei als Mitarbeiterin bleibt. So eine Ausbildung würde schließlich viel Arbeit machen. Das sind alles Momente, die unsere – oft ja noch minderjährigen – Interessierten abschrecken und verunsichern können.

Es drängt sich einem vielleicht ein kleines bisschen der Gedanke auf, dass unser Fachkräftemangel vielleicht nicht nur ein Mangel an Fachkräften ist, sondern dabei ein Stück weit auch der Umgang mit Bewerberinnen und Bewerbern eine Rolle spielen könnte. Seien wir mal ehrlich: Das haben wir doch alle auch schon selbst erlebt. Es kommt eine Bewerbung, aktuell ist aber kein Bedarf in der Kanzlei. Natürlich antworten wir, aber möglicherweise muss erst noch dies und das erledigt werden – und dann wird es morgen oder übermorgen. Die Bewerberin bekommt sofort oder einige Tage später eine freundliche Absage – oft erhält sie jedoch auch gar keine Antwort. Auf telefonische Nachfragen nach dem Stand der eingereichten Bewerbung wird sie vertröstet auf eine Rückmeldung bis Ende der Woche. Bis Ende welcher Woche genau? Fehlanzeige: Die E-Mail kam bis heute nicht.

Viele Kanzleien pflegen sicherlich einen vorbildlichen Umgang mit Bewerberinnen und Bewerbern, bei vielen anderen Kanzleien dürfte da noch Luft nach oben sein. Bewerber/innen für unseren Beruf sind heute ein hohes Gut und sollten wertschätzend behandelt werden, egal ob sie eine Absage erhalten oder die Einladung zu einem persönlichen Gespräch. Das unterstützt die Bewerberinnen und Bewerber sicherlich, am Ball zu bleiben und sich gesehen und ernst genommen zu fühlen. Es wäre doch sehr schade, wenn all die engagierten Bewerberinnen und Bewerber unseren wunderbaren Beruf nicht kennen- und liebenlernen würden.

Viele Grüße

Euer Vorstand der RENO Berlin-Brandenburg

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