Goldener Oktober und voller Schreibtisch
Liebe Leserinnen und Leser,
der Oktober ist da: Kürbissuppe, Maronen, Herbst- oder Halloween-Basteleien – und vermutlich schon die ersten Diskussionen darüber, wann man eigentlich anfangen darf, die Weihnachtsfeier zu planen. Auf den Straßen raschelt das Laub, Igel sind unterwegs und irgendwo versucht ein Kind, seine Eltern davon zu überzeugen, dass jetzt – genau jetzt – der perfekte Zeitpunkt ist, einen Drachen steigen zu lassen. Kurz gesagt: Die goldene Jahreszeit ist da.
Für berufstätige Eltern ist das eine interessante Zeit. Die Kinder haben Ideen. Viele Ideen. Und sie möchten sofort zur Tat schreiten. Die Eltern haben ebenfalls Ideen – allerdings meistens in Form einer To-do-Liste.
Und ganz ähnlich sieht es in der juristischen Welt aus.
Die ReFa denkt an die Frist, die heute unbedingt noch raus muss. Der ReNo hat bereits den nächsten Vorgang im Blick. Der Anwalt versucht, zwischen Mandantentermin, Schriftsatz und Telefonat noch einen klaren Gedanken zu fassen. Der Richter arbeitet sich durch Akten und Verfahren. Und unsere Azubis lernen inzwischen, dass „nur kurz“ im juristischen Alltag eine ziemlich dehnbare Zeitangabe sein kann.
Alle haben ihren Plan. Und alle kämpfen sich durch den Tag.
Dabei bleibt auch der Oktober 2026 nicht ohne Neuerungen: Zum 1. Oktober tritt das Gesetz zur weiteren Digitalisierung der Zwangsvollstreckung in Kraft. Die Justiz bleibt in Bewegung, während der ganz normale Arbeitsalltag weiterläuft. Fristen kennen schließlich keine Jahreszeit – und die Jahresendverjährung wartet bereits am Horizont.
Vielleicht ist der Oktober trotzdem ein guter Moment, um kurz innezuhalten. Herbst ist Erntezeit: Man sieht, was in den vergangenen Monaten gewachsen ist. Auch bei uns. Neue Kolleginnen und Kollegen sind angekommen, unsere Azubis sind längst nicht mehr ganz neu, Projekte wurden vorangebracht und manches erfolgreich abgeschlossen.
Draußen wird es bunter, bevor es grauer wird. Die Kinder haben noch zehn neue Ideen, bevor sie die erste überhaupt umgesetzt haben. Und wir Erwachsenen versuchen währenddessen, unsere To-do-Listen abzuarbeiten.
Vielleicht sollte man sich manchmal einfach darauf einlassen.
Zumindest für einen kurzen Moment.
Der Drache wartet schließlich nicht auf den Jahresendspurt.
Ihr Bundesvorstand
