RENO Hannover – alles, aber garantiert nie langweilig

Kanzleialltag: Alles – aber garantiert nie langweilig!

Wer kennt es nicht? Montagmorgen. Der Wecker klingelt, der Kaffee schmeckt wie ein schlechter Scherz und der Körper befindet sich geistig noch irgendwo zwischen Sofa, Frühstücksei und letzter Urlaubsminute.

Noch bevor offiziell die Bürotür aufgeht, klingelt bereits das Telefon. Ein potenzieller neuer Mandant meldet sich – hochmotiviert und mit den ominösen Worten: „Ich schicke Ihnen erstmal alles per E-Mail.“ Ein Satz, der in Kanzleien ungefähr dieselbe Wirkung hat wie „Wir müssen reden“ in Beziehungen. Die erste Mail kommt. Dann die zweite. Dann die dritte. Innerhalb von fünf Minuten.

Die anfängliche Hoffnung weicht schneller der Realität als ein Neujahrsvorsatz am 3. Januar: Wirres Zeug. Kryptische Formulierungen. 63 weitere Empfänger im Verteiler – darunter vermutlich halb Deutschland, mehrere Behörden, mindestens drei Politiker und wahrscheinlich auch jemand, der einfach nur die falsche Mailadresse hatte.

Es folgt die spontane Krisensitzung im Kollegenkreis. Ergebnis: Für derart konfuse Anliegen fehlen leider Zeit, Nerven und vermutlich auch ein abgeschlossenes Psychologiestudium. Also formulieren wir höflich und professionell eine Absage. Der Absender reagiert verständnisvoll – natürlich nicht.

Noch am selben Tag folgen sieben weitere Mails. Der Inhalt wird zunehmend abstruser, der Verteilerkreis wächst inzwischen schneller als ein WhatsApp-Gruppenchat nach einer Hochzeit. Irgendwann fragen wir uns ernsthaft, was wohl Amtsgericht, Landgericht, Staatsanwaltschaft, Polizei und diverse Bundestagsabgeordnete (sämtlich im Verteilerkreis) mit diesen Informationen anfangen sollen.

Nach weiteren zehn Mails innerhalb von zwei Tagen wird schließlich die einzig verbleibende Maßnahme ergriffen: Die Mailadresse wird blockiert.

Seitdem leben wir in gespannter Erwartung: Kommt er zurück? Mit neuer Mail-Adresse? Neuem Betreff? Oder direkt per Fax?

Hoffentlich nicht persönlich!!!

Neuer Tag, neuer Nervenzusammenbruch.

Diesmal ruft die Buchhaltung an. Leicht hektisch. Also wirklich leicht hektisch.

„Wir haben einen Geldeingang über 5,3 Mio. Euro.“

Stille.

Dann plötzlich völlige Eskalation: Innerhalb weniger Sekunden entstehen in den Köpfen der Mitarbeitenden völlig realistische Zukunftspläne: Die ersten Kollegen konfigurieren bereits ihren neuen Sportwagen. Andere planen luxuriöse Weltreisen mit dem festen Vorsatz, niemals wieder zurückzukehren. In der Chefetage wird gedanklich schon der vorzeitige Ruhestand beantragt.

Die Stimmung? Zwischen Lottojackpot und kollektivem Ausnahmezustand.

Leider fiel irgendwann jemandem auf, dass der Absender des plötzlichen „Sondervermögens“ seinen Fehler bemerkt hatte: Es handelte sich um den Kaufpreis einer Immobilie, der versehentlich auf dem Kanzleikonto statt beim Verkäufer gelandet war.

Tja, schade. Ausgeträumt.

Bis heute bleibt allerdings ungeklärt:

  • Wie überweist man versehentlich 5,3 Mio. Euro an die falsche IBAN?
  • Wer kontrolliert solche Summen eigentlich vorher?
  • Und warum passiert uns sowas nie privat?

Fragen, auf die wir vermutlich niemals Antworten bekommen werden.

Und plötzlich ist Freitag.

Eine fast normale Arbeitswoche geht zu Ende. Wir freuen uns auf das Monatsende, auf unser Gehalt, auf kleine Wünsche und vielleicht irgendwann auch auf die größeren Träume.

Und trotz allem – oder gerade deswegen? – freuen wir uns schon jetzt auf die nächste völlig „langweilige“ Arbeitswoche im Irrenhaus der Republik.

Euer RENO in Hannover und Umgebung e.V.

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