RENO Bayern erkundet den Justizpalast München

Besichtigung des Justizpalastes München am Donnerstag, 13.11.2025

  • Führung durch Frau VRiLG Fenzl (24. Kammer Baurecht)

Liebe Renoianer,

am Donnerstag, den 13. November, hatten wir unser Reno Afterwork-Event – eine Führung durch den Justizpalast München.

Wir haben uns sehr gefreut, dass doch noch ein paar Mitglieder Zeit gefunden haben, hieran teilzunehmen.

Um die Mitglieder, die leider nicht vor Ort sein konnten, dennoch abzuholen, nachfolgend einige Infos zum Justizpalast München:

Nachdem im Jahr 1871 die erste Form der Republik Deutschland gegründet wurde und zwei Jahre später im Jahr 1873 mit dem GVG, der ZPO und der StPO die ersten Bundesgesetze in Kraft traten, wurde durch die Vorschrift, dass Verfahren öffentlich stattfinden mussten, der Bau großer Gerichtsgebäude erforderlich.

In München vergab hierzu Prinzregent Luitpold den Auftrag an den Hochschulprofessor der Architektur Friedrich Maximilian Heinrich Thiersch. Konzeption und Bau des Münchener Justizpalastes nahm insgesamt 10 Jahre in Anspruch (drei Jahre Vorplanung, davon ein Jahr Inspirationsreise zu anderen Gerichtsgebäuden in Europa sowie sieben Jahre Bauzeit). Die Vorgabe für die Kosten des Baus waren 4 Mio. Goldmark. Für den ersten Entwurf von Thiersch hätten sich Baukosten auf über 9 Mio. Goldmark belaufen. So mussten einige Korrekturen und Abstriche vorgenommen werden, es wurden zum Beispiel einige der geplanten Aufzüge aus den Plänen gestrichen, sodass das Gebäude nurmehr über drei Aufzüge verfügt. Letztlich beliefen sich die Baukosten auf circa 6 Mio. Goldmark. Die Innenarchitektur ist hierbei eine wilde Stilmischung aus Elementen des Barocks und Jugendstils. Bereits von Anfang an verfügte das Gebäude über Elektroinstallationen und eine Zentralheizung, je Stockwerk gibt es vier Trinkwasserbrunnen.

Im Mai 1897 erfolgte schließlich die Eröffnung des Justizpalastes. Thiersch wurde daraufhin zum Ritter ernannt und führte dann bis zu seinem Tod am 23.12.1921 den Nachnamen „Ritter von Thiersch“. Der Auftraggeber, Prinzregent Luitpold, wurde zwei Mal im Justizpalast verewigt: Einmal in Form eines Bildes und einmal als Statue, die – den Blick nach Norden gerichtet – den Besuchern des Gebäudes zunächst den Rücken zudreht. Dies liegt allerdings daran, dass Thiersch den Haupteingang im Norden vorgesehen hatte, wodurch die Statue jeden Besucher direkt ansehen sollte. Letztlich wurde der Haupteingang aber in den südlichen Teil des Gebäudes gelegt (den Thiersch eigentlich als „Schlechtwettereingang“ geplant hatte), sodass die Besucher „in den Rücken“ der Statue laufen und sie erst sehen, wenn sie sich in der großen Empfangshalle umdrehen und in den ersten Stock blicken.

Eigentlich war das Gebäude, das mit Amtsgericht, Landgericht und Oberlandesgericht im Zivil- und Strafrecht alle Gerichte beherbergen sollte, schon direkt nach der Fertigstellung zu klein, weshalb kurze Zeit später ein weiteres Gebäude für das Oberlandesgericht gebaut wurde (die hierfür vorgesehenen Baukosten von 4 Mio. Goldmark wurden tatsächlich eingehalten). Heute wird das Gebäude zu circa 2/3 durch die Zivilkammern des Landgerichts und das Staatsministerium der Justiz genutzt. Gelegentlich weicht die Strafjustiz hierhin aus, wenn außergewöhnlich große Verhandlungssäle benötigt werden.

Durch die Bombardements im zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude sehr stark beschädigt, sodass der Wiederaufbau zunächst infrage gestellt, letztlich aber doch durchgezogen wurde. Stuttgart beispielsweise hat diesen Schritt nicht gewagt.

Zur Absicherung vor herabfallenden Glasscheiben der Glas-Lichtkuppel in der Haupthalle wurde ein spezielles Netz angefertigt. Der Preis hierfür war im sechsstelligen Bereich.

Im Sitzungssaal 270 fand am 22.02.1943 der Prozess gegen die Geschwister Sophie und Hans Scholl sowie ihren Mitstreiter der Widerstandsbewegung „Weiße Rose“ Christoph Probst wegen ihrer Flugblattaktion statt – nur vier bzw. drei Tage nach ihrer Verhaftung. Nach dem Urteilsspruch wurden die drei noch am selben Tag in Stadelheim durch die Guillotine hingerichtet. In mehreren Räumen des Justizpalastes findet sich hierzu eine sehr interessante Dauerausstellung, die täglich zu den Öffnungszeiten des Gerichts kostenlos besichtigt werden kann.

Falls ihr Ideen habt, wo wir unser nächstes Reno Afterwork in 2026 stattfinden lassen können, freuen wir uns über eure Zuschriften.

Euer Reno Bayern e.V.

Susi, Nora, Kathi, Claudia und Andi

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