Editorial 08/2025

Liebe Kollegin, lieber Kollege,

Du sitzt hochkonzentriert über einem komplizierten Kostenfestsetzungsantrag, der Aktenstapel ist ordentlich sortiert, der Kopf endlich im „Tunnel“ – und zack! klopft jemand. „Hast Du kurz?“

Kurz? Theoretisch ja. Praktisch… war da nicht gerade noch der rote Faden?

Willkommen im Kanzleialltag. Ein Ort, an dem Konzentration ein rares Gut ist. Denn irgendwo klingelt immer ein Telefon, ruft jemand aus dem Sekretariat, oder eineKollegin/ein Kollege platzt mit der berühmten Frage rein: „Du, ich hab’ da mal ’ne ganz schnelle Sache…“ Spoiler: Schnell ist es meistens nicht.

In Kanzleien und Notariaten herrscht Dauerlaufbetrieb. Störungen gehören zum Alltag – genauso wie Fristen, Mandantenanfragen und spontane „Kannst-du-mal-eben“-Momente. Und während Multitasking früher noch als Superkraft galt, wissen wir heute: Wer ständig springt, kommt nie richtig tief. Vor allem nicht in den Konzentrationsmodus, den Du für komplexe Aufgaben brauchst.

Aber was tun? Tür abschließen? Großes „Bitte nicht stören“-Schild aufstellen? Ohrenstöpsel und Tunnelblick? Kann funktionieren, muss aber nicht. Denn oft liegt das Problem nicht (nur) in der Geräuschkulisse, sondern im fehlenden Raum für fokussiertes Arbeiten. Im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.

Deshalb unser Appell: Sprich es offen an. Mach deutlich, wann Du Zeit brauchst, um Aufgaben ohne Unterbrechung zu erledigen. Plane „konzentrationsfreundliche“ Zeitfenster ein – und gönn sie auch anderen. Vielleicht hilft Dir auch die Pomodoro-Technik (25 Minuten konzentriertes Arbeiten, danach eine 5-minütige Pause). Und wenn Du das nächste Mal selbst bei einer Kollegin in der Tür stehst: Frag Dich kurz, ob es wirklich jetzt sein muss.

Denn echte Konzentration ist keine Glückssache – sondern ein Arbeitsmittel. Und Du hast jedes Recht darauf, es zu schützen.

In diesem Sinne: Bitte nicht stören – ich arbeite gerade hochprofessionell.

Herzliche Grüße

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